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Generalisierte Angsterkrankungen

Generalisierte Angsterkrankungen sind ihrer Natur nach chronische Erkrankungen, gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen und sind auch eine der Hauptgruppen in der psychosomatischen Rehabilitation. Sie sind oft schwer zu erkennen, weil diese Patienten nicht wegen „Angst“ in Behandlung kommen sondern wegen „Burn Out“, „Anpassungsstörungen“ oder „Sorgen“ über vielfältige Lebensbelastungen. Das Kernsymptom der Generalisierten Angsterkrankung ist das ständige sich sorgen über Alltäglichkeiten.

 

In EEG-Untersuchungen wurde mit auditorischen evozierten Potentialen die neurophysiologische Reaktionsbereitschaft des exteroceptiven sensorischen Systems untersucht, als Indikator einer evtl. serotonergen Dysregulation dieser Patienten untersucht. Es fanden sich Hinweise auf eine Störung des primären, nicht jedoch des sekundären auditorischen Cortex, was als Hinweis auf eine erhöhte serotonerge Aktivität interpretiert werden kann.

 

Eine primäre Behandlungsoption für Angsterkrankungen stellt die kognitive Verhaltenstherapie dar. Im Rahmen einer kontrollierten, multizentrischen Studie wurde in Kooperation mit niedergelassenen Verhaltenstherapeuten ein manualgeleitetes, kognitiv-verhaltenstherapeutisches Vorgehen bei der Behandlung von ambulanten Patienten mit Generalisierter Angsterkrankung, GAD, evaluiert. In der Therapiegruppe A zeigte sich ein durchschnittlicher Rückgang der Symptomatik im Prä-Post-Vergleich von 10.65 Punkten (bzw. 39,6%) in der HAM-A bzw. 9,51 Punkten (17,2%) im STAI-Trait. In der Kontaktkontrollgruppe lag die durchschnittliche Abnahme der Symptomatik im Prä-Post-Vergleich bei 1,21 Punkten (5,3%) in der HAM-A und bei 3,19 Punkten (5,4%) im STAI-Trait. Die Unterschiede zwischen der Therapiegruppe A und der Kontaktkontrollgruppe zu Treatment - Ende sind statistisch hoch signifikant. Für die Therapiegruppe B, d.h. die Therapiegruppe mit verzögertem Therapiebeginn, ergeben sich im Prä-Post-Vergleich Abnahmen in der HAM-A von 12,1 Punkten (bzw. 56,9 %) und im STAI-Trait von 7,5 Punkten (13,7%). Das Therapiemanual wurde publiziert, um einen Transfer in die Arbeit anderer Therapeuten zu ermöglichen.

 

In einer Nachfolgeuntersuchung nach etwa einem Jahr wurde insbesondere die sozialmedizinische Bedeutung dieser Erkrankung und der Therapieergebnisse mit Blick auf die Teilhabe untersucht. Es fand sich, dass nach der Therapie die Inanspruchnahme therapeutischer Leistungen im Vergleich zum Zeitraum vor der Behandlung signifikant abgenommen hat. Gleiches gilt für die Arbeitsunfähigkeitszeiten.

 

 

Neuropattern

In einer Untersuchung an Patienten mit erhöhten ängstlich-somatoformen Stresssymptomen wurde eine Untersuchung der sog. „Neuropattern“ durchgeführt. Es handelt sich dabei um 13 Endophänotypen, die verschiedene Reaktionsvarianten auf Stressanforderungen charakterisieren. Sie basieren auf einer Kombination von Untersuchungen der Morgencortisol-Aufwachreaktion, der Herzratenvariabilität und von Leitklagen. Es fand sich bei den eingeschlossenen Patienten eine exzessiv erhöhte Rate an überschießenden psychophysiologischen Reaktionsmustern, was ein Hinweis darauf ist, dass diese Patienten eine gestörte biologische Stressreagibilität haben.

 

 

Hypochondrie und pathologische Realangst

Von besonderem Interesse sind Angstsymptome bei gleichzeitig vorliegenden ernsthaften Lebensbelastungen. Dies wurde am Beispiel von Patienten mit kardiologischen Erkrankungen untersucht. Es wurde das Konzept der „pathologischen Realangst“ entwickelt. Dies bedeutet, dass die Patienten einerseits wegen der vorliegenden lebensbedrohlichen Erkrankung guten Grund für Angst und Sorgen haben, dass dies aber auch ein Risikofaktor für die Entwicklung exzessiver Ängste ist.

 

In einer Studie wurde untersucht, inwieweit die Schwere einer Herzerkrankung mit dem Grad des Angsterlebens zusammenhängt. Es fand sich kein Zusammenhang mit der objektiven Krankheitsschwere sondern nur mit dem Grad der subjektiven Beschwerden, was dafür spricht, dass eine psychologische Angststörung sich auch auf körperlichen Belastungen erstreckt und nicht dafür, dass die körperliche Störung zu einer Angsterkrankung führt.

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