Diagnoseforschung / Schlafstörungen

Schlafstörungen gehören in der Bevölkerung und mehr noch bei Menschen mit anhaltenden psychischen Störungen zu den häufigen Klagen. Körperliche und psychische Erkrankungen können zu Schlafstörungen führen und Schlafstörungen können wiederum zu körperlichen und psychischen Erkrankungen führen. Es gibt gewichtige wissenschaftliche und klinische Hinweise, dass Störungen des Schlafes eine große Rolle bezüglich Entstehung, Verlauf und Negativfolgen von körperlichen und psychischen Erkrankungen spielen. Schlafstörungen können auch wichtige differentialdiagnostische Hinweise geben, sei es bzgl. körperlicher Erkrankungen wie z.B. Hypertonie und Schlaf-Apnoe oder psychischer Krankheiten wie z.B. Früherwachen und Depression. Die Wechselwirkung zwischen Schlafstörungen und körperlichen oder psychischen Erkrankungen kann zu einer Chronifizierung der Symptomatik beitragen. Schlafstörungen und Tagesmüdigkeit führen unmittelbar zu Leistungsminderungen und sind damit ein wichtiger Faktor in der Entstehung von Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit. Der Diagnostik und Behandlung von Schlafstörungen kommt daher in der psychosomatischen Rehabilitation eine große Bedeutung zu. Gerade auch stationäre Behandlungen bieten die Möglichkeit einer besseren Erkennung und Differentialdiagnostik von Schlafstörungen, Tagesmüdigkeit und Leistungseinschränkungen. Zum Zweiten kann durch die Aufnahme in ein therapeutisches Milieu der Biorhythmus und das Schlafverhalten unmittelbar beeinflusst werden.

 

Es wurden die Routineklagen von psychosomatischen Patienten über Ein- und Durchschlafstörungen untersucht und gefunden, dass 86,6% einen PSQI Wert (Pittsburgh Sleep Quality Index) von über 5 aufwiesen (Cut-Off Wert für Schlafprobleme), d.h. sie litten unter schlechtem Schlaf. 34,6% der Patienten hatten Werte zwischen 6 und 10, d.h. litten unter deutlichen Schlafstörungen und 52,1% hatten Werte über 10, d.h. sie litten nach dem eigenen Erleben unter gravierenden Schlafbeschwerden. Ältere Patienten, Frauen, Patienten mit schlechterem Schulabschluss, mehr sonstigen psychischen Beschwerden, aber auch in Rentenverfahren zeigten erhöhte PSQI-Werte. Zum Ende einer fünfwöchigen stationären Behandlung hatten immer noch 68,9% der Patienten einen PSQI Wert über 5, bzw. 33,1% einen PSQI Wert über 10.

 

Eine polysomnographische Untersuchung von Patienten mit einem PSQI (>10 und Bejahung der Frage nach schlechtem Schlaf) und einer Gruppe von Patienten ohne Schlafklagen (PSQI-Gesamtwert von höchstens 5) zeigte signifikante Unterschiede zwischen beiden Gruppen in der Schlafeffizienz und der Wachzeit. Es findet sich im Verlauf der stationären Behandlung eine Reduktion der objektiven Störung der Schlafeffizienz von 30.8% auf 17,9% und der objektiven auffälligen Wachzeit von 75% auf 62,3% bei den Patienten mit schweren subjektiven Schlafstörungen. Es finden sich jedoch auch objektive Auffälligkeiten in der PSG bei den Patienten ohne subjektive Schlafstörungen (Schlafeffizienzstörung 13,0%, auffällige Wachzeit 65%), als Hinweis darauf, dass subjektive Schlafangaben nicht hinreichend sind, um das Problem umfassend zu erfassen. Einen Apnoe-Index von > 5 findet sich bei 19% der Patienten ohne Schlafklagen und bei 35% der Patienten mit ausgeprägten Schlafklagen. Dennoch können subjektive Schlafklagen als Indikator für auch objektiv nachweisbare Schlafstörungen gelten. Die objektive Schlafeffizienz korreliert mit dem subjektiven Anspannungsgefühl am Morgen, die objektive nächtliche Gesamtwachzeit und die objektive Schlafeffizienz mit der subjektiven Erholsamkeit des Schlafs. Die objektive Einschlafzeit und die objektive Schlafeffizienz korrelieren mit der subjektiven Einschlafzeit. Die Bewertung der subjektiven Einschlafzeit korreliert ebenfalls positiv mit der objektiven Einschlafzeit, der objektiven Schlafeffizienz und dem Tiefschlafanteil. Die objektive Schlafeffizienz und die nächtliche Wachzeit korrelieren mit der subjektiven Einschätzung der Wachzeit. Die objektive Gesamtschlafzeit und Schlafeffizienz korrelieren mit der Gesamtschlafzeitangabe.

 

Schlafstörungen sind nicht nur ein Problem bei Patienten mit psychischen Störungen, sondern auch bei kardiologischen Patienten. Dies gilt insbesondere für Apnoe-Syndrome. Patienten nach einer herzchirurgischen OP haben viele Gründe für die Entwicklung einer respiratorischen Insuffizienz (RI) und für die Entwicklung von nächtlichen Atmungs- und anderen Schlafstörungen, z.B. die postoperative Herzinsuffizienz, Anämie, Hypoventilation wegen Schmerzen im Brustbein, Veränderungen in der Atemregulation. Da es kaum Studien zur Häufigkeit oder den Therapiemöglichkeiten solcher Störungen gibt, wird eine Studie zur Abschätzung der Prävalenz von respiratorischer Insuffizienz und Schlafstörungen (SBAS, RLS/PLMD, Insomnie) in der postoperativen Phase nach einer Herzrevaskularisation eingeleitet.

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