Ergotherapie

Die Ergotherapie hat zum Ziel, durch den Einsatz von Aktivitäten dem Menschen eine Handlungsfähigkeit im Alltag, Lebensqualität und gesellschaftliche Partizipation zu ermöglichen. Behandlungsziele bei Patienten mit psychischen Störungen sind im Einzelnen ein Aktivitätsaufbau, eine Förderung der Durchhaltefähigkeit, der Konzentrationsfähigkeit, der Belastungstoleranz und Ausdauer, der Frustrationstoleranz, der Fähigkeit zu sorgfältigem Arbeiten, der Fähigkeit zur Arbeitsplanung und Zeiteinteilung, der Kontaktfähigkeit, der Fähigkeit zur Distanzierung von Belastungen und der Fähigkeit zur besseren Selbsteinschätzung. Die Ergotherapie ist der „Salutotherapie“ zuzuordnen im Sinne eines Wiederaufbaus „gesunden Lebens“. Bei psychischen Erkrankungen kann sie hinsichtlich der Ziele wie der Interventionsmethoden als psychotherapeutische Methode verstanden werden und stellt mit ihrem handwerklichen Ansatz eine wichtige Ergänzung zu den rein verbalen Psychotherapieformen dar. Ergotherapeuten sind in allen psychiatrischen und psychosomatischen Akut- und Rehakliniken zu finden und erbringen einen wesentlichen Teil der therapeutischen Leistungen. Trotz des großen Aufwandes der finanziell und personell für die Ergotherapie betrieben wird, gibt es nur wenig wissenschaftliche Arbeiten zu den Zielsetzungen, Methoden und Ergebnissen der Ergotherapie.

 

Auf diesem Hintergrund wurden Patienten einer Rehabilitationsklinik für psychische und psychosomatische Erkrankungen nach ihren Behandlungszielen und den darauf abgestellten Behandlungsangeboten in der Ergotherapie befragt. Die Ergebnisse zeigten, dass Patienten sich von der Ergotherapie am häufigsten eine bessere Fähigkeit zur Distanzierung von Belastungen (62 %) erwarteten, gefolgt von Frustrationstoleranz / Gelassenheit, (51%) dem Wunsch die Konzentration zu verbessern (50%), der Hoffnung auf eine Erhöhung des eigenen Aktivitätsniveaus (40,2%), des Durchhaltevermögens (32,8%) und einer verbesserten Selbsteinschätzung (31,8%). Die niedrigsten Werte fanden sich bezüglich der Zeiteinteilung (25,8%), Kontaktfähigkeit (22,7%) und der Sorgfalt und Arbeitsqualität (12,9%). Aus Sicht der Kostenträger und Therapeuten leistet die Ergotherapie schließlich auch einen wichtigen Beitrag zur Begutachtung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit.

 

Es wurde eine Skala zur Erfassung rekreativer Aktivitäten entwickelt (RADL-Skala), die mehrfach überarbeitet und in Anlehnung an die ICF erweitert wurde. Sie erfasst “kulturelle Aktivitäten” (z.B. ins Kino gehen), “körperliche Aktivitäten” (z.B. Joggen), “handwerkliche Aktivitäten” (z.B. Basteln), “soziale Aktivitäten” (z.B. Freunde besuchen) and “häusliche Aktivitäten” (z.B. Kochen) zugeordnet werden können. Derartige Tagesaktivitäten und darunter auch die rekreativen Aktivitäten spielen eine zentrale Rolle hinsichtlich der funktionalen Gesundheit. Allerdings gibt es keine Referenzwerte oder Standards um entscheiden zu können, wann diesbezüglich von einem Problem auszugehen und therapeutisch zu intervenieren ist. Es kann niemand sagen, wie oft ein gesunder Mensch z.B. ins Kino gehen oder sich mit Freunden treffen muss. Zur Gewinnung entsprechender Referenzwerte wurden Patienten mit der RADL-Skala untersucht. Durchschnittlich gaben die Patienten 19.3 (s.d. 7.0) Aktivitäten an (Range 4 – 40), d.h. Männer 21.3 (s.d. 6.5, 9 – 34) und Frauen 18.9 (s.d. 7.1, 4 – 40). Am häufigsten wurde über passive und unspezifische Aktivitäten berichtet wie “Fernsehen ” (93.4%) und am seltensten von Aktivitäten, die spezielle Fertigkeiten verlangen wie ”Reiten” (0.7%). Vergleichsweise selten waren auch Aktivitäten, die zu den Hauptbeschäftigungen in der Ergotherapie zählen, wie “Keramikarbeiten” (4.7%) oder “Seidenmalerei” (2.6%). Auf die Frage, was die Patienten zukünftig an Aktivitäten machen möchten, wurden die gleichen Items genannt, die sie auch bisher ausgeübt hatten.

 

Die Ergotherapie verfügt zur Förderung der Leistungsfähigkeit und Resistenzförderung wie auch zur Rekreationsförderung über eine Reihe von Interventionsmöglichkeiten und themenspezifischen Gruppen. In einer kontrollierten Studie konnte gezeigt werden, dass bei stationären psychosomatischen Patienten durch eine rekreative Gruppentherapie im Vergleich zu einer resistenzorientierten Gruppentherapie eine bessere Förderung des Aktivitätsniveaus, der Disstress-Toleranz und der Arbeitsfähigkeit möglich wurde.

 

Im Rahmen einer Ergotherapiegruppe, die wesentlich darin bestand, Patienten zu geselligen Aktivitäten miteinander anzuregen, der Grad der subjektiven Belastung durch das Gruppensetting untersucht. Von 45 befragten Patienten gaben 88,9% negative Effekte aufgrund der Ergotherapie an. 28,9 % davon berichteten von deutlich belastenden Nebenwirkungen. Dies spricht dafür, dass auch die Indikationsstellung für eine Ergotherapie therapeutisch überwacht werden muss.

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