Psychotherapie-Nebenwirkungen

Viele Forschungsbefunde deuten darauf hin, dass auch psychotherapeutische Behandlungen Nebenwirkungen haben können. Der Forschungsstand ist jedoch unzureichend.

Es wurde eine inzwischen international akzeptierte Definition von Psychotherapie-Nebenwirkungen erarbeitet, i.S. von unvermeidlichen negativen Begleitwirkungen einer fachgerecht durchgeführten Therapie, in Abgrenzung zu Folgen von Behandlungsfehlern oder therapieunabhängigen Negativentwicklungen.

Zur Erfassung von Psychotherapienebenwirkungen wurde die „UE-ATR-Checkliste“ entwickelt. An einer Population von 100 Therapeuten/Patienten fand sich, dass sich bei 98 der 100 Patienten Klagen über 372 UEs fanden, von denen 15.3% bei 43% der Patienten als Nebenwirkungen anzusehen waren. 40.4% der Nebenwirkungen waren als schwer einzustufen und 8.8% als überdauernd, was 5% aller Patienten betraf.

 

Ein besonderes Problem stellen Gruppentherapien dar. Die Gruppendynamik und die Exposition gegenüber Mitpatienten kann eigene Nebenwirkungen verursachen. Es wurde ein Selbstbeurteilungsinstrument für Belastungen in Gruppentherapie entwickelt, der UE-G-Fragebogen“. Von 71 untersuchten Patienten klagten 98,6 % über mindestens eine Negativerfahrung und 43,7% über mindestens ein stark bzw. extrem belastendes Negativereignis. Am häufigsten sind die Induktion von Hoffnungslosigkeit und Demoralisierung durch das, was sie bei anderen Patienten während der Gruppe sehen oder zu hören bekommen. Diese Ergebnisse konnten in mehreren Nachfolgeuntersuchungen bestätigt werden und sind auch auf Gruppentherapien wie beispielsweise in der Ergotherapie übertragbar.

Forschungsdatenbank

Für mehr Details nutzen Sie bitte auch die Öffnet externen Link im aktuellen FensterForschungsdatenbank der Charité.