Therapieprozessforschung und Medical Decision Making

Die Behandlung chronifizierender Erkrankungen stellt besondere Anforderungen an die ärztliche und therapeutische Entscheidungsfindung. Gründe hierfür sind die zeitliche Erstreckung, die Notwendigkeit einer Integration von medizinischen und sozialen Informationen oder die intensivere Einbeziehung der Patienten. Klassische Behandlungsleitlinien und Therapiealgorithmen sind zumeist an der Behandlung von akuten Krankheitsepisoden orientiert und strukturell eher einschrittig angelegt. Therapiemanuale mit präskriptiven Verfahrensvorschriften sind des Weiteren aus grundsätzlichen Gründen nicht valide, da chronische Krankheitszustände grundsätzlich mehrdimensionaler und auf den Verlaufszeitpunkt abgestellter Interventionen bedürfen. Man spricht wissenschaftstheoretisch von „decisions under conditions of uncertainty“. Hier werden Verfahrensregeln benötigt, die ermöglichen, komplexe Probleme auf rationalem Wege anzugehen und zu bewältigen. Derartige Adaptationen an die Notwendigkeiten des Einzelfalls werden für das diagnostische Vorgehen, die Pharmakotherapie und vor allem auch die Psychotherapie benötigt, die sich bei jedem Patienten anders zu gestalten hat.

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