Weisheitstherapie

„Weisheit“ ist ein vergleichsweise neues psychologisches Forschungsfeld, das im Rahmen der Altersforschung entwickelt wurde. Weisheit kann definiert werden als eine Fähigkeit im Umgang mit schwierigen und letztlich unlösbaren Lebensbelastungen. Aus klinischer Sicht ist es naheliegend, bei Patienten mit Belastungs- und speziell Verbitterungsreaktionen Weisheit therapeutisch zu fördern, in der Erwartung, den Patienten dadurch Fähigkeit zur Lösung bestehender Probleme zu vermitteln. Weisheit kann, analog zur Selbstsicherheit, als eine mehrdimensionale psychologische Fähigkeit verstanden werden mit den Dimensionen Perspektivwechsel, Selbstdistanz, Empathie, Emotionswahrnehmung und -akzeptanz, emotionale Serenität und Humor, Fakten- und Problemlösewissen, Kontextualismus, Wertrelativismus, Selbstrelativierung, Ungewissheitstoleranz, Nachhaltigkeit, Problem- und Anspruchsrelativierung.

In einer ersten Studie ergaben sich Hinweise, dass Patienten, die sich von negativen Lebenserfahrungen nicht lösen können, Probleme in der Aktivierung von Weisheitskompetenzen haben. Es wurde eine verhaltenstherapeutische Methode entwickelt, die Weisheitstherapie, die Patienten helfen soll, nicht mehr umkehrbare, schwierige Lebenssituationen zu bewältigen. Es geht bei der Weisheitstherapie nicht um eine Lebensberatung oder die Erarbeitung von Konfliktlösungen, sondern um die Besserung der Psychopathologie durch die Förderung psychischer Funktionen, die erforderlich sind, um eine Konfliktlösung erreichen zu können. Die Weisheitstherapie vermeidet daher weitgehend, direkt am Thema des Konflikts zu arbeiten. Stattdessen werden Weisheitsstrategien an Modellproblemen eingeübt. Auch bezüglich der Therapie gilt also, dass die Funktion und nicht der Inhalt das Therapieziel ist. Hierzu wird auf kognitive Strategien der Einstellungsänderung und Problemlösung zurückgegriffen mit besonderer Betonung von Reframingstrategien, Expositionsverfahren, Methoden des Aktivitätsaufbaus und der Förderung von Selbstwirksamkeitserfahrungen.

 

In einer kontrollierten Studie konnte gezeigt werden, dass dieses Vorgehen klinisch relevante Besserungen ermöglicht und Patienten helfen kann, negative Lebensereignisse zu verarbeiten.

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